Kr.

Menü

Jahresgaben

04. – 23.12.2014

Eröffnung: Mittwoch, 03.12., 19 Uhr

[Gastprojekt]

Neuerscheinungen von:

Anton Bošnjak
Franka Kaßner

Book Release: Mittwoch, 17.12., 19 Uhr

Wir laden Sie herzlich ein zur Präsentation der Neuerscheinungen von Anton Bošnjak und Franka Kaßner im VistVunkVerlag:

Anton Bošnjak
»about National Geographic, Shadows, and Romance«
44 Seiten, s/w, Broschur

Franka Kaßner
»Geschichte aus Braunkachel«
66 Seiten, s/w, Broschur

Damit der harte Inhalt besser verarbeitet werden kann, gibt es Chilenischen Affenschwanz und Rakija Loza. Fragen werden nur am 17.12.2014 beantwortet. Zahlreiches Erscheinen verbessert das Raumklima.

[Gastprojekt]

Jirka Pfahl
Awareheft #3

Magazinpräsentation: Mittwoch, 10.12., 19 Uhr

Wir freuen uns, das dritte »Awareheft« von Jirka Pfahl (lebt und arbeitet in Leipzig) im Kunstraum vorstellen zu können. Das Heft bezieht seinen Titel von einer mittlerweile als veraltet geltenden Bezeichnung für »Aufmerksamkeit« oder für »aufmerksames Sein«, für Mitwissen, Bedeutung-Darauf-Legen oder sich im Kreis der Wissenden Befinden – und verweist auf eine Ökonomie der Codes und deren Anwendung. Die rasante Entwicklung in der Ästhetik des Internets hat jedoch mittlerweile neue Begriffe für dieses Phänomen hervorgebracht. Im dritten, fanzineartig zusammenkopierten Awareheft erscheint somit der Ausdruck des aware-Seins wie ein Mammut des Internets. Die Inhalte mit Beiträgen internationaler Künstler greifen unter dem Arbeitstitel »schneller als lol« diese Dynamik auf.

Anlässlich der Magazinpräsentation kochen Daniela Stöppel und Jirka Pfahl die Münchener-Tafel-Suppe zur freien Verspeisung. Außerdem ist eine neue Arbeit des Künstlers zu sehen, die sich ebenfalls ums Essen dreht …

Jirka Pfahl — Awareheft #3
Mit Beiträgen von Kim Asendorf, Andrew Birk, Gallery Fist, Jirka Pfahl
ISBN 978-3-923874-95-8

AUTOMATIC
Gesine Grundmann, Michel Klöfkorn,
Björn Kuhligk, Rolf Poellet

06. – 28.11.2014

Eröffnung und Lesung: Mittwoch, 05.11., 19 Uhr
Oliver Mallison (Münchner Kammerspiele) liest einen Text von Björn Kuhligk.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Gegenüberstellung von Bildender Kunst und Text. Dabei geht es um mehr als die rein visuellen Qualitäten von Schrift im Bild oder der Entstehung von Bildern im Kopf durch Texte. Von Interesse sind vielmehr künstlerische Positionen, die mit textuellen Strukturen arbeiten. Der Versuch, mit Serialität, Differenz und Wiederholung im weitesten Sinn komplexe Ausdrucksformen zu entwickeln, verbindet die künstlerische Arbeit von Gesine Grundmann, Michel Klöfkorn, Björn Kuhligk und Rolf Poellet. Das entstehende Gefüge der Positionen schafft einen Raum, in dem die Begriffe Text und Bild in gegenseitigen Referenznahmen erzeugt werden. Die Grenzen zwischen den Begriffen werden zu Gunsten einer übergeordneten Struktur verschoben, die näher an tragfähige Selbstbefragungsstrategien heranreicht. Kunst verharrt hier nicht nur einem Aggregatzustand, sondern entfaltet sich über Gattungs- und Genregrenzen hinweg.

Ein speziell für die Ausstellung verfasster Text von Björn Kuhligk, eingelesen vom Autor selbst, ist dauerhaft in der Ausstellung präsent. Der Zusammenhang, in dem die verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen stehen, ist vielschichtig und führt zu gegenseitigen Inspirationsrückkopplungen: Es werden neue Räume eröffnet, auch und gerade auf die grundsätzlichen Fragen hin: Warum Text und Kunst? Schrift und Bild? Und was hat das mit Malerei oder Bildhauerei zu tun?

Rolf Poellets Malerei beschäftigt sich mit einer Reduktion des Gegenständlichen; die Pinselstriche erlauben eine Auflösung der Form, die den Bildgegenstand zu einem abstrakten macht, um doch die Form der Figur und des Bildaufbaues nicht zu verleugnen. In seinen großformatigen, seriell angeordneten Wandarbeiten wird der Betrachter mit in den Reduktionsprozess und in die Dechiffrierung hineingezogen. Neben der Auslotung der seriellen Arbeitsweise ist ein weiteres wichtiges Moment der Malerei von Rolf Poellet die ornamentale Auffassung von Fläche und Kontur, die eine Autonomie gegenüber dem Bildgegenstand erreicht, so dass dieser keine außerbildliche Realität bezeichnet, sondern selbst Ausdruck des Bildes ist.

Die Materialität der Dinge und ihre Eigenschaften, die ihr Potenzial an Möglichkeiten ausmachen und gleichzeitig kulturgeschichtliches Repertoire referieren, sind das Arbeitsfeld der Bildhauerin Gesine Grundmann. Materialien wie Metall, Holz, Stoff oder Kunststoff aus ihrer unmittelbaren Umgebung unterzieht Gesine Grundmann durch meist minimale Eingriffe in der Bearbeitung der Oberfläche einer differenzierten Betrachtung. Die Arbeiten oszillieren im Spannungsfeld von Billig- und Edelmaterial, Leichtigkeit und Schwere, industrieller Massenproduktion und Handarbeit. Sie bedingen sich im übertragenen, sprachlichen Sinne als »Verdichtung«, auch in Form und Wiederholung, erzeugen in ihrer Wahrnehmung eine Vielschichtigkeit und Mehrdeutigkeit sowie ein hohes Maß an Intensität.

Der Filmemacher Michel Klöfkorn zeigt auch Buchobjekte, die unser Auge auf die Probe stellen, indem das Ausgangsmaterial einer gezielten Dekonstruktion unterzogen wird. Klöfkorn zerschneidet beispielsweise Bildteile in dünne Streifen und webt diese neu zusammen. Für den Animationstreifen »Liquid Paper« schnitt er mit dem Cutter Figuren in mehrere Bildbände, die abgespielt einen neuen Bilderrausch ergeben. Der Filmrhythmus ist ein Stakkato, das den Betrachter in die Buchseiten hineindrängt in einen Reigen aus Textpassagen, Buchstaben und Bildern.

Kuratiert von Dr. Patricia Drück


Die Ausstellung wird unterstützt von Rischart sowie von der Erwin und Gisela von Steiner-Stiftung.


Michel Klöfkorn

»Flüssiges Papier/Terrysworld«, 2010
Cut-Outs im Bildband Terrysworld von Terry Richardson
Courtesy Kai Middendorf Galerie

Bernhard Schreiner
Power Supply – Sonisches Arbeiten

25.09. – 26.10.2014

Eröffnung und Konzert: Mittwoch, 24. 09., 19 Uhr


Unter Stichworten wie Sonische Kunst (Sonic Art) oder Transmission Art entwickeln seit einigen Jahren bildende Künstlerinnen und Künstler ein erneuerten Verständnis des Akustischen in der bildenden Kunst.

Einige nehmen dabei bewusst Bezug auf frühe Überlegungen des amerikanisch-australischen Kunsttheoretikers Douglas Kahn (»Anmaßung der Musik«). Andere erspüren ein Fehl-Lesen und Miss-Sehen ihres Schaffens auf Grund einer musikalischen Umklammerung und suchen deshalb nach Möglichkeiten der ästhetischen Befreiung.

Dies ist unser Ausgangspunkt zur Ausrichtung der ersten Einzelausstellung in München des Frankfurter Künstlers Bernhard Schreiner (*1971 in Mödling bei Wien). Schreiner ist einem breiteren Kunstpublikum vor allem durch seine gemeinsame Arbeit mit Thomas Bayrle bekannt, zum Beispiel zur documenta13 in Kassel, oder zuletzt durch seine Sound-Installation »The Encryption Garden« im Frankfurter Städel Museum in Zusammenarbeit mit Alan B. Richmond. Die Ausstellung im Münchner Kunstraum will nicht den kollaborativen Aspekt seines Werkes, sondern Bernhard Schreiners Überlegungen zum Akustischen in den Vordergrund stellen. An Hand Schreiners sonischer, raumfüllender Arbeitsweise soll die grundsätzlichere Frage diskutiert werden: Was macht die bildende Kunst mit dem Hören, und warum verträgt sich das nicht mit der Musik?

Neben einer Auswahl an Papierarbeiten und Plastiken im Parterre der Ausstellung zeigt Bernhard Schreiner im Obergeschoss eine eigens für den Kunstraum realisierte neue Arbeit: »Power Supply« (Netzanschluss).

Unterschiedliche Volt und Ampere-Stärken handelsüblicher Netzteile in Kombination mit unterschiedlichen Typen von Lautsprechern erzeugen immer andere Ergebnisse. Flächige, knisternde, rhythmisch klickende Tonstrukturen erinnern an das Klangvokabular zeitgenössischer elektro-akustischer Musik, ohne jedoch deren konservative Logik von Komposition oder Instrument zu übernehmen.

Kuratiert von Ralf Homann


Die Ausstellung wird gefördert von der Hypo-Kulturstiftung und dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München.


[Gastprojekt]

Laboratory Aim Density
»Uncertainty Phase. Hashtag Abspritzen«
Rebekka Moran

Mittwoch, 27.08., 19 Uhr

Laboratory Aim Density: a film set, a director, a set builder, a model: a rehearsal to create a single frame as time and sense unravels.

A project and series of new works based on re-creating LAD »china girl« film frames, the image that appears in the countdown of every reel of motion picture film. Originally, the images were spliced in by film lab technicians for checking that the color and density of the negative is correct during the processing and printing stage of creating the final film. They were often from a camera test of a young starlet or even film lab workers themselves; sometimes they are mannequins men children or an entire still-life scene both with model and multiple items of color such as fruits and flowers.

The project is both about film as much as it is about the process and language of film, and the 4-dimensional space it occupies both physically in a space, in the making of the set and shooting, and as single frames that eventually create an entire film. »Laboratory Aim Density« is about the creation in time of a single frame, which in turn becomes a durational piece of its own. The performance is an extract from a series of films being produced by IS Rejkjavik-based artist Rebekka Erin Moran whilst travelling through Holland and Germany this summer.

Rebecca Moran graduated from the School of the Art Institute in 2000 before moving to Holland and subsequently Reykjavik in 2005. She has exhibited internationally in cities such as NYC, Chicago, Rotterdam, Köln, Tokyo, Paris, and Reykjavik. Her work delves into a subjective approach to the everyday. Finding danger in boredom, absurdism in the mundane, home in nomadicism, intimacy in the unexpected; finding the point where the clash of opposites creates its own form of coherency. Visual paradox or thematic antonym underlies much of her work; a search of sorts for the fault-line inherent in all things.

www.rebekkamoran.com

Kunstraum Akademie
Implizites Wissen

31.07. – 03.08.2014

one two three
Amerikanische Kunst in München.
1960 bis 1980

Ausstellung im Kunstraum: 12.07. – 14.09.2014
Re-Enactments: Installationen und Werke von Fred Sandback,
Donald Judd und Agnes Martin
Dokumentationsfotografien von Albrecht Ohly
Eröffnung: Samstag, 12.07., 18 Uhr

Im Zentralinstitut: Verlängert bis zum 26.09. 2014
Dokumentarische Vitrinenausstellung zu amerikanischer Kunst in München.
1960 bis 1980
Eröffnung: Freitag, 11.07., 18 Uhr, Katharina-von-Bora-Straße 10


In den 1960er und 1970er Jahren erfährt Münchens Kunstszene wichtige Impulse, die eng mit den gleichzeitigen künstlerischen Entwicklungen in den USA verbunden sind: Die Galerie Friedrich und Dahlem wird 1963 gegründet und zeigt erstmals Werke der Pop Art, Minimal und Land Art in München. In diesem angeregten Klima eröffnen in den Folgejahren weitere Galerien, wie Tanit, Biedermann, art in progress oder Schöttle, die ebenfalls zahlreiche amerikanische Künstler/innen vertreten. 1968 wird die Pop-Art-Sammlung des Wella-Chefs Karl Ströher im Haus der Kunst ausgestellt und löst eine Debatte über die Ankaufspolitik der öffentlichen Museen aus. Der bereits 1965 gegründete Galerie-Verein, vom deutsch-amerikanischen Sammler Walter Bareiss mitinitiiert, versammelt nach amerikanischem Vorbild kaufkräftige Sammler und Mäzene, die den damals wenig progressiven Kurs der Staatsgemäldesammlungen korrigieren sollen und Werke zahlreicher Amerikaner erwerben, die heute aus den Beständen der Pinakothek der Moderne und der Graphischen Sammlung nicht mehr wegzudenken sind. Eine weitere Gruppe Kunstinteressierter gründet das Modern Art Museum, um den Mangel einer fehlenden Kunsthalle auszugleichen. Mit der Sammlung von Gunter Sachs und der Ausstellung »Barock – Minima« wird auch hier ein Schwerpunkt auf die Kunst der Amerikaner gelegt.

Im Neubaugebiet Neuperlach lässt Michael Heizer 1969 einen Krater ausheben. Zur Olympiade 1972 plant Heiner Friedrich mit Walter de Marias Erdkilometer ein weiteres groß angelegtes Land-Art-Projekt, das nicht realisiert wird, obwohl sich die Architekten Behnisch und Partner für die Umsetzung einsetzen. Als Raum für die neue Avantgarde-Kunst wird 1973 der Kunstraum München gegründet und zeigt Ausstellungen mit Richard Tuttle, Agnes Martin, Fred Sandback, Maria Nordman und anderen. 1977 und 1979 finden im Lenbachhaus Performance-Reihen, u.a. mit Laurie Anderson, statt. Hierbei, wie auch im Galerieprogramm von Dany Keller, sind viele amerikanische Künstler und Künstlerinnen zu sehen. In den gleichen Jahren besichtigt Dan Graham die Amalienburg und Douglas Huebler fotografiert Dachau. Warhol besucht München mehrfach, bei Schellmann und Klüser erscheinen 1980 seine Beuys-Portraits. Zahlreiche weitere Editionen, unter anderem von Sandback, La Monte Young oder Lawrence Weiner entstehen in München.

Dieser ereignis- wie folgenreichen Zeitspanne in der Kunstgeschichte Münchens hat sich nun ein Projektseminar des Instituts für Kunstgeschichte der LMU München genähert: Die Protagonisten der 1960er und 1970er wurden befragt, ein Pressespiegel erstellt und ausgewertet, Archive, Sammlungen und Privatpersonen besucht, Provenienzen nachvollzogen, Editionen gesichtet und Einzelwerke analysiert. Die Ergebnisse werden nun in einer topographisch organisierten Vitrinen-Ausstellung im Zentralinstitut präsentiert. In drei Re-Enactments werden außerdem im Kunstraum Installationen und Werke von Fred Sandback, Donald Judd und Agnes Martin wiederaufgeführt, um sie einer Aktualisierung und kritischen Befragung zu unterziehen. Nicht zuletzt wird im Kunstraum mittels einer Fotografie-Ausstellung mit Werken von Albrecht Ohly ein Zeitgenosse gewürdigt, der mit Sensibilität und Einfühlungsvermögen zahlreiche Ausstellungen amerikanischer Künstler/innen im Medium der Fotografie festgehalten hat.

Ein Projekt von Studierenden des Instituts für Kunstgeschichte, geleitet von Daniela Stöppel.

Eine Kooperation zwischen Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Institut für Kunstgeschichte der LMU und Kunstraum München.

Eine Veranstaltung des Studienzentrums zur Moderne – Bibliothek Herzog Franz von Bayern.

http://www.zikg.eu

www.kunstraum-muenchen.de

www.kunstgeschichte.uni-muenchen.de


PROGRAMM

Kunstraum:
Mittwoch, 03.09., 19 Uhr (Re-Enactment Carl Andre)
Mittwoch, 10.09., 19 Uhr (Re-Enactment Agnes Martin)

ZentraIinstitut:
Studientag, 12./13.09.
Das Forschungskolloquium wurde verschoben, der Termin wird bekanntgegeben.


⇓ Kunstraum Albrecht Ohly

⇓ Kunstraum Re-enactment Fred Sandback

⇓ Kunstraum Re-enactment Carl Andre

⇓ Kunstraum Re-enactment Agnes Martin

⇓ Zentralinstitut für Kunstgeschichte

Leone Contini – Imagined Menu

19.06. – 06.07.2014

Eröffnung und Performance: Mittwoch, 18.06., 19 Uhr

Picknick-Lesung: Donnerstag, 03.07., 18 Uhr
Olympiaberg, Olympiapark München
Treffpunkt Eingang Sea Life
Die Anzahl der Teilnehmer ist auf 40 Gäste beschränkt

(Performances auf Englisch)

Kunstraum München in Kooperation mit dem Kunstverein Milano

Das Projekt »Imagined Menu« des italienischen Künstlers Leone Contini nimmt Bezug auf ein historisches Ereignis, bei dem es im Oktober 1917 zur schlimmsten Niederlage in der Geschichte des italienischen Militär kam, der »Rotta di Caporetto« (der Schlacht von Karfreit). Zwischen Oktober und November geraten ungefähr 300.000 italienische Soldaten in Gefangenschaft und werden später auf Gefangenenlager in Deutschland und Österreich-Ungarn verteilt; Soldaten werden von Kämpfern zu Kriegsgefangenen, aus Agierenden des Krieges werden Besiegte, aus mit Rationen und Konservendosen gut genährten Körpern werden abgemagerte, unterernährte Gestalten.

Unter den Gefangenen von Caporetto befindet sich auch Giosuè Fiorentino, ein junger, sizilianischer Offizier und Großonkel von Leone Contini, der in Cellelager, nördlich von Hannover, zusammen mit 3000 anderen italienischen Offizieren interniert wird. Die kleine Gemeinschaft seiner Baracke, der kleinsten sozialen Einheit des Lagers, erlebt Hunger, Kälte und Verzweiflung, entwickelt aber auch gleichzeitig kollektive Strategien des Widerstands. Dem »Fraß« des Lagers, der die Gefangenen mit Mühe am Leben erhält, stellt man das Essen der Erinnerung entgegen, intensiv begehrt und Thema endloser Diskussionen unter den Gefangenen. Das Teilen des »eingebildeten« Essens ist wohl ein Versuch, mit dem unvorstellbaren Hunger fertig zu werden, diesen Urinstinkt umzulenken und eine Masse hungriger Körper in so etwas wie eine Gemeinschaft zu verwandeln. Dieses – wenn auch nur virtuelle – Gemeinschaftsmahl ist auch eine Aktion von kollektivem Widerstand.

Giosuè Fiorentino hielt in zwei handgebunden Notizbüchern die Rezepte fest, die von den Mitgefangenen beschrieben wurden; das Ergebnis ist ein großes Mosaik von Regionalküchen der Zeit um 1900, etwa 250 Rezepte von Friaul bis Sizilien. B98, die Bezeichnung seiner Baracke, gab einem der beiden Kochbücher seinen Titel.

Nachdem es 2013 vom Kunstverein Amsterdam gezeigt wurde, ist »Imagined Menu« nun an zwei Terminen erstmals in München zu sehen:

Am – 18. Juni – präsentiert der Kunstraum München in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Milano eine Lesung/Performance, die – als fließende Erzählung konzipiert – die Vorgehensweise bei der Ernährung von und der Kontrolle über den Körper der Soldaten im Ersten Weltkrieg aufzeigen wird, von den Schützengräben an der Front bis in die Gefangenenlager nach der Niederlage von Caporetto. Die »Spuren«, die während der Lesung entstehen, bilden die Ausstellung, die bis zum 6. Juli zu sehen sein wird.

Am – 3. Juli – wird auf dem Olympiaberg ein Picknick veranstaltet, der vor 1972 als Schuttberg bekannt war, da er aus den Trümmern des im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstörten Münchens aufgeschüttet wurde, heute aber ein wesentlicher Teil der Olympiaparkanlage ist. Bei dem Picknick werden einige der im Kochbuch B98 beschriebenen Gerichte serviert werden. Jedes ausgewählte Rezept bietet eine Gelegenheit zum Nachdenken und zu Gesprächen zwischen dem Künstler und seinen Gästen.

Leone Contini (geb. 1976 in Florenz) studierte Philosophie und Kulturelle Anthropologie in Siena. Seine Forschung konzentriert sich vor allem auf interkulturelle Reibungspunkte, Konflikte und Machtbeziehungen, Vertreibung, Migration und Diaspora. Er entwickelt hierzu Vorlesungsperformances, kollektive Interventionen im öffentlichen Raum, textbasierte und audio-visuelle Erzählungen, Blogs und Eigenpublikationen. Seine letzten Ausstellungen und Interventionen: Delfina Foundation, London 2014; Khoj, New Delhi 2014; Villa Romana, Firenze 2014; DOCVA viafarini, Milano, 2013; Kunstverein, Amsterdam 2013, Tirana Art Lab 2013; UNIDEE, Biella, 2013.

Kuratiert von Emily Barsi


http://www.leonecontini.wordpress.com
http://www.kunstverein.it/en/
https://www.facebook.com/events/1485566258344343/


Mit freundlicher Unterstützung von Landeshauptstadt München Kulturreferat


Performance vom 18.06. im Kunstraum

Fotos: Massimo Fiorito


Picknick-Lesung vom 03.07., Olympiaberg, München

Fotos: Thomas Splett


Eröffnung: Donnerstag, 22.05., 19 Uhr
Einführung von Roberto Ohrt und Philipp Schwalb

Tagung: Freitag/Samstag, 23.05./24.05, 10 – 19 Uhr
Mit renommierten Warburg-Forschern zur Aktualität des Bilderatlas

Vorträge zu einzelnen Tafeln: 28.05, 04.06., 11.06., jeweils 19 Uhr

Warburgs Mnemosyne-Bilderatlas, benannt nach der griechischen Göttin der Erinnerung, hat mittlerweile den Status einer Legende mit Weltruhm. Die Ausstellung im Kunstraum besteht zum einen aus der Rekonstruktion einer Sequenz von Tafeln des Atlas im Originalformat sowie aus Werken der Künstler Andy Hope 1930, Olaf Metzel und Berthold Reiß, die in Auseinandersetzung mit Warburgs Atlas-Projekt entstanden sind. Warburgs Mnemosyne ist ein Instrument, das nicht nur entschlüsselt, sondern auch angewandt werden kann. Dazu findet im Kunstraum am 23. und 24. Mai eine Tagung mit Vorträgen internationaler Warburg-Forscher statt, im Lauf der Ausstellung werden weitere Vorträge vor den Tafeln gehalten. Seit zwei Jahren zeigt der 8. Salon in seinen Räumen in Hamburg eine Rekonstruktion des Mnemosyne-Bilderatlas. Bislang wurden etwa 45 der insgesamt 63 Tafeln in zehn Veranstaltungen behandelt und in der Reihe ‹Baustelle› publiziert. Mittlerweile präsentiert der 8. Salon den Bilderatlas auch in anderen Institutionen: nach der letzten Station in St. Gallen 2013 ist er nun im Kunstraum zu sehen.

Kuratiert von Luise Horn und Sabine Weingartner

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Kunstgeschichte der LMU, München.

http://www.8salon.net


VORTRÄGE

Mittwoch, 28. 05., 19 Uhr
Susanne Thürigen: »Der Atlas goes public ? – Die Planetenwanderung nach Norden« (Tafel 59)

Mittwoch, 04.06., 19 Uhr
Daniela Stöppel: »›Plein air als Substitution des Olymp‹ – Manets ›Le Dejeuner sur l’herbe‹« (Tafel 55)

Mittwoch, 11.06., 19 Uhr
Susanne Pollack: »Inspirationsbedürftige Kunst: ›Poesia unter den Artes Liberales‹« (Tafel 50 und 51)
Julia Saviello und Hanns-Paul Ties: »Warburgs ›Wie der Metapher‹ – Im Gespräch über den Darstellungsmodus Grisaille« (Tafel 49, 44 und 45)


TAGUNG

Freitag, 23.05., 10 – 19 Uhr

10:00 – 11:30 Uhr
Roberto Ohrt, Philipp Schwalb: Vorstellung der Tafeln 43–48

12:00 – 13:00
Werner Rappl: »Bipolare Störung. Entwendung und Inversion in Aby Warburgs Mnemosyne-Projekt. Zur Erschließung des Mnemosynematerials in den 1990er Jahren«

14:00 – 15:30
Roberto Ohrt, Philipp Schwalb: Vorstellung der Tafeln 49–54

16:00 – 17:00
Thomas Hensel: »Warburgs Tische«

17:00 – 18:00
Hans Christian Hönes: »Lost in Translation ? Warburg und die Frage der Vollendung«

18:00 – 19:00
Dieter Wuttke: »Panofskys Warburg«

Samstag, 24.05., 10 – 19 Uhr

10:00 – 11:30 Uhr
Roberto Ohrt, Philipp Schwalb, Marcus Hurttig: Vorstellung der Tafeln 55–59

13:00 – 14:00
Katia Mazzucco: »Panels 43–59 on the Background of the First two Versions of the Atlas«

14:00 – 15:00
Ulrich Pfisterer: »Warburg als Bild. Kunst und Leben«

17:00 – 18:00
Axel Heil: »Die Schlange als ein internationales Antwortzeichen«

18:00 – 19:00
Abschließende Diskussion

ab 20:00 Bar

Referenten:

Forschungsgruppe Mnemosyne
sind u.a. Prof. Axel Heil (Künstler und Professor für Experimentelle Transferverfahren und Schrift an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe), Dr. Roberto Ohrt (Künstler und Kunsthistoriker; Autor von »Phantom Avantgarde«) sowie Christian Rothmaler und Philipp Schwalb (beide Künstler). Die Forschungsgruppe begann im Mai 2012 mit der Ausstellungs- und Forschungsreihe »Mnemosyne – der Bilderatlas von Aby Warburg«. Einen Ort dafür bietet der 8. Salon, ein von den Beteiligten getragener Verein, der sich als interdisziplinär angelegte Plattform kultureller Praxis für die Produktion, Distribution und Präsentation von Filmen, Texten, Kunstwerken, Büchern und Zeitschriften versteht. Die Räumlichkeiten des 8. Salon befinden sich im Zentrum Hamburgs, 300 m von der Reeperbahn entfernt. Hier finden regelmäßig Ausstellungen und Seminare statt; für letztere steht vor Ort eine umfangreiche Bibliothek zur Verfügung.

Prof. Dr. Thomas Hensel
lehrt Kunst- und Designtheorie an der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim. Dissertation (»Wie aus der Kunstgeschichte eine Bildwissenschaft wurde. Aby Warburgs Graphien«, Berlin 2011) und zahlreiche Publikationen zu Aby Warburg (u.a. »Schlangenritual. Der Transfer der Wissensformen vom Tsu’ti’kive der Hopi bis zu Aby Warburgs Kreuzlinger Vortrag«, Berlin 2007, hg. mit Cora Bender und Erhard Schüttpelz).

Dr. des. Hans Christian Hönes
ist wissenschaftlicher Mitarbeiter (Postdoc) in der Forschergruppe »Bilderfahrzeuge. Warburg’s Legacy and the Future of Iconology« am Warburg Institute London sowie Herausgeber des vierten Bandes der Gesammelten Schriften Warburgs (»Fragmente zur Ausdruckskunde«, mit Ulrich Pfisterer). Buchveröffentlichungen u. a.: »Wölfflins Bild-Körper. Ideal und Scheitern kunsthistorischer Anschauung«, Berlin/Zürich 2011; »Kunst am Ursprung. Das Nachleben der Bilder und die Souveränität des Antiquars«, Bielefeld (erscheint Herbst 2014).

Dr. Marcus Hurttig
ist Kurator und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Graphischen Sammlung des Museums der bildenden Künste Leipzig. Seine
wissenschaftlichen Schwerpunkte sind italienische und deutsche Kunst des 16., 19.  und  20. Jahrhunderts, insbesondere ikonografische Fragestellungen. Er kuratierte 2011 für die Hamburger Kunsthalle die Ausstellung »Die entfesselte Antike. Aby Warburg und die Geburt der Pathosformel in Hamburg«.

Dr. Katia Mazzucco
verbrachte 2010 einen Studienaufenthalt am Warburg Institute London. Durch ihre Veröffentlichungen arbeitet sie maßgeblich zur Warburg-Forschung, z.B. »Images on the move. Some notes on the Bibliothek Warburg Bildersammlung (Hamburg) and the Warburg Institute Photographic Collection (London)«, Art Libraries Journal (2013), »L’iconoteca Warburg di Amburgo. Documenti per una storia della Photographic Collection del Warburg Institute«, Quaderni Storici (2012); »1941, English Art and the Mediterranean. A Photographic Exhibition by the Warburg Institute in London«, Journal of Art Historiography (2011).

Prof. Dr. Ulrich Pfisterer
lehrt am Institut für Kunstgeschichte der LMU München mit Schwerpunkten in der Kunst der Frühen Neuzeit und der Wissen(schaft)sgeschichte; seit 2010 Herausgeber (mit Horst Bredekamp, Michael Diers, Uwe Fleckner, Michael Thimann und Claudia Wedepohl in Verbindung mit dem Warburg Institute London und dem Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Hamburg) der »Studienausgabe Aby Warburg. Gesammelte Schriften«.

Susanne Pollack
ist Lehrbeauftragte am Institut für Kunstgeschichte der LMU München. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die italienische Druckgraphik des 15. und 16. Jahrhunderts, humanistische Bildkonzeptionen und Musikikonographie.

Dr. Werner Rappl
ist Mitgestalter von Veranstaltungen und Mitherausgeber mehrerer Kataloge der transmedialen Gesellschaft daedalus. Er konzipierte die Ausstellung »Aby Warburg-Mnemosyne« in Wien 1993, dann Hamburg, Siena, Florenz, Rom, Venedig und Tel-Aviv, und gab den begleitenden Katalog »Aby M. Warburg. Mnemosyne« (Hamburg 1994) heraus.

Julia Saviello
ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschergruppe »Vormoderne Objekte. Eine Archäologie der Erfahrung« am Institut für Kunstgeschichte der LMU München mit dem Post-Doc-Projekt »Der Schild als Bildträger und ›Ursprung‹ der Kunst«.

Dr. Daniela Stöppel
ist wissenschaftliche Assistentin am Institut für Kunstgeschichte der LMU München und als freie Autorin u. a. für artforum und Texte zur Kunst tätig. Publikationen u.a.: »Visuelle Zeichensysteme der Avantgarden 1910 bis 1950. Verkehrszeichen Farbleitsysteme, Piktogramme« (erscheint Frühjahr 2014). Sie ist Vorsitzende des Kunstraum München.

Susanne Thürigen
ist Doktorandin in der Forschergruppe »Vormoderne Objekte. Eine Archäologie der Erfahrung« am Institut für Kunstgeschichte in München mit dem Dissertationsprojekt »Objekte des Wissens: Uhren und andere Goldschmiedewerke des 16. Jahrhunderts«.

Hanns-Paul Ties
ist wissenschaftlicher Assistent am Institut für Kunstgeschichte der LMU München und forscht zur Malerei der Renaissance und des Barock in Tirol und Mitteleuropa, zur Ikonographie von Liebe, Erotik und Geschlechterdifferenz sowie zur profanen Ausstattungskunst.

Prof. Dr. Dieter Wuttke
geboren 1929 in Hamburg, brachte Aby Warburg nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in die wissenschaftliche Diskussion und besorgte 1979 die Herausgabe der ersten umfangreichen Neuauflage seiner Schriften, lange Zeit die einzige verfügbare Quelle für alle, die Warburg studieren wollten. Er kam von der Philologie zur Kunstgeschichte und hatte sich zunächst mit Erwin Panofsky auseinandergesetzt, mit dem er früh in brieflichem Kontakt stand. Seine Forschungen zu Warburg führten ihn oft nach London ins Warburg Institute, wo er noch Gertrude Bing (1892-1964) kennenlernen konnte, die langjährige Assistentin von Warburg und seinerzeit Direktorin des Instituts. Im Anschluss an seine Habilitation (1971) lehrte er an den Universitäten Göttingen und Bamberg.


Mit freundlicher Unterstützung von:

Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung

Finbridge GmbH & Co. KG


Filmreihe

Before Your Eyes – Filme von Harun Farocki

23.04., 30.04. und 7.05.2014

Mittwochs, 19 Uhr

23.04.: »Etwas wird sichtbar«
30.04.: »Videogramme einer Revolution«
07.05.: »Aufschub«

An drei Abenden werden im Kunstraum ausgewählte Filme von Harun Farocki gezeigt, die sich auf unterschiedliche Weise mit der Rezeption von Bildern und Medien auseinandersetzen. Farocki unterzieht Fotografien, Filmaufnahmen und Fernsehsendungen seinem kritischen Blick, ohne sie zu verfremden und schafft dabei eine Metaebene, auf der es dem Betrachter überlassen bleibt, über das Gesehene nachzudenken. Der Film Etwas wird sichtbar (1982) erzählt die Liebesgeschichte von Robert und Anna vor Fotografien aus dem Vietnam-Krieg. Über die Dialoge des Paars bettet der Filmemacher hier Überlegungen zum politischen Bild ein, ohne selbst in Erscheinung zu treten: Narration und Bildtheorie verschränken sich. Für Videogramme einer Revolution (1992) kompilierte Farocki gemeinsam mit dem Filmemacher Andrei Ujica Videobilder von der Rumänischen Revolution 1989. Im Sog des Bildstrudels stellt sich die Frage, ob die Revolution als Medienereignis und deshalb durch das Fernsehen überhaupt erst stattfand. Filmmaterial, das nie in diesen Medienkreislauf geraten war, findet sich in Aufschub (2007). Farocki hat für diesen Film Bilder aus dem Archiv geholt, die 1944 in einem Durchgangslager der Nazis in den Niederlanden entstanden waren und die einen vermeintlich harmlosen Alltag des Lagers zeigen. Es entsteht eine Divergenz zwischen der Intention der Bilder und dem, was sie dem heutigen Betrachter sagen.

Der Filmemacher Harun Farocki (*1944) ist bekannt für seine politischen und medienkritischen Arbeiten. Vom Autorenkino kommend, ist er heute auch aus dem Kunstbetrieb nicht mehr wegzudenken. Seine Filme und Installationen sind eine Schule des Sehens, die den Blick des Betrachters verändern. In den vergangenen Jahren war er unter anderem in Einzelschauen im Kunsthaus Bregenz, im Museum Ludwig in Köln und im Museum of Modern Art in New York zu sehen. Derzeit ist er mit einer Einzelausstellung im Hamburger Bahnhof in Berlin präsent. Er gilt als Vorbild für viele junge Künstler und Filmemacher. Dies zeigt sich auch in seinem jüngsten Großprojekt Eine Einstellung zur Arbeit | Labour in a Single Shot (http://www.eine-einstellung-zur-arbeit.net).

Kuratiert von Monika Wermuth



​Foto: »Etwas wird sichtbar« © Harun Farocki, 1982
Photo: »Before your Eyes – Vietnam« © Harun Farocki, 1982



Foto: »Videogramme einer Revolution«, Harun Farocki/Andrei Ujica, 1992
Photo: »Videograms of a Revolution«, Harun Farocki/Andrei Ujica, 1992



​Foto: »Aufschub« © Harun Farocki, 2007

Photo: »Respite« © Harun Farocki, 2007

Book Launch

Mahlergruppe
MX

Mittwoch, 12.03., 19.30 Uhr


Präsentation des ersten umfassenden monografischen Katalogs (dt./engl.) von Mahlergruppe, erschienen 2014 im Verlag Kunstraum München, herausgegeben von Sabine Weingartner

128 Seiten, davon 54 in Farbe
Mit Texten von Daniela Stöppel und Sabine Weingartner/Mahlergruppe
25 €


Gefördert von der LfA Förderbank Bayern und dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

Zbyněk Baladrán
The Measures Taken

05.03. – 13.04.2014

Zbyněk Baladrán (1973, Prag), vertrat bei der letzten Biennale in Venedig die Tschechische Republik und gehört derzeit zu deren bedeutendsten internationalen Künstlern. Sein erstes Solo-Projekt in Deutschland, »The Measures Taken«, wird vom 3. bis 30. März 2014 im Kunstraum München präsentiert. Die Ausstellung befasst sich mit den Chancen der künstlerischen Produktion und Methoden als Instrumente der totalen Erneuerung, der drastischen Veränderung der Gesellschaft, aber auch der Möglichkeit ihres Scheiterns.

Ironie und das Thema des Versagens sind bereits im Titel der Ausstellung enthalten, der von Bertold Brechts Drama »The Measures Taken« (»Die Maßnahme«) stammt; ein Theaterstück, das neben der Aufhebung der traditionellen Dualität von Bühne und Zuschauer die radikale Veränderung einer Welt zum Thema hat, die unmittelbar davor ist, die Protagonisten von Verhandlungen und Kompromissen zu akzeptieren.

Ausgangspunkt für die verschiedenen methodischen Ansätze, die in dieser Ausstellung zum Tragen kommen, sind Texte und Arbeiten von mehreren Autoren wie J. P. Eckermann, Sigmund Freud, Bertold Brecht und Dziga Vertov, die zum Teil von Zbyněk Baladrán neu bearbeitet wurden.

Zbyněk Baladrán (Prag, 1973 in Prag), ist Autor, bildender Künstler und Kurator. Er studierte Kunstgeschichte an der Karls-Universität in Prag von 19921996 und von 19972003 visuelle Kommunikation an der Prager Akademie der bildenden Künste. Er ist einer der Mitbegründer und Kuratoren der Galerie display, die 2001 in Prag gegründet wurde und 2007 mit tranzit.cz in tranzitdisplay fusionierte. Zusammen mit Vít Havranek kuratierte er »Monument toTransformation«, ein dreijähriges Forschungsprojekt zur sozialen Transformation, das im Jahr 2009 an der Prager City Gallery präsentiert wurde und bis 2013 an mehrere Stationen in Europa gereist ist. Baladrán zählte 2010 zum Kuratorenteam (tranzit.org) für die Manifesta 8, Murcia, Spanien. Seine Arbeiten sind inzwischen Teil verschiedener internationaler privater und öffentlicher Sammlungen.

Kuratiert von Emily Barsi

Mehr Info hier:

http://www.zbynekbaladran.com/en/about/curiculum-vitae



In Zusammenarbeit mit dem Tschechischem Zentrum München

[Clubgespräch]

Professor Dr. Wolfgang Ullrich:
»Originalitätsdämmerung? Der Kult ums Neue
und sein mögliches Ende«

Freitag, 31.01., 19 Uhr

Der Vortrag von Wolfgang Ullrich beschäftigt sich mit den vielen Formen von Wiederholung, Reprise, Reenactment etc. in der zeitgenössischen Kunst. Diese Phänomene wird er in seiner Untersuchung ideengeschichtlich und soziologisch in einen größeren Rahmen stellen.

So sehr Originalität in der westlichen Moderne als eines der höchsten Ziele gilt, so sehr könnte darin eine historische Ausnahme erkannt werden. Der Blick sowohl in die weitere Geschichte wie auch zu anderen Kulturen offenbart sogar zahlreiche negative Einschätzungen von Originalität und Kreativität und umgekehrt positive Einschätzungen des Wiederholens. Und es häufen sich die Indizien, dass auch im Westen eine neue Wertschätzung für Formen der Reproduktion und des Wiederholens entsteht. Lässt sich gar schon von einem epochalen Umbruch sprechen?

Professor Dr. Wolfgang Ullrich: geb. 1967 in München. Ab 1986 Studium der Philosophie, Kunstgeschichte, Logik/Wissenschaftstheorie und Germanistik in München. Magister 1991 mit einer Arbeit über Richard Rorty; Dissertation 1994 über das Spätwerk Martin Heideggers (»Der Garten der Wildnis«, München 1996). Seither freiberuflich tätig als Autor, Dozent, Unternehmensberater; 1997 bis 2003 Assistent am Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Akademie der Bildenden Künste München; seit 2003 Gastprofessuren an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Seit 2006 Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.

Wissenschaftliche Arbeitsschwerpunkte: Geschichte und Kritik des Kunstbegriffs; moderne Bildwelten; bildsoziologische Fragen; Wohlstandsphänomene.

Siehe auch HfG-Karlsruhe und Perlentaucher

In der Reihe [Clubgespräch] stellt der Kunstraum die Mitglieder des beratenden Kuratoriums vor. Neben Prof. Dr. Wolfgang Ullrich gehören diesem Prof. Dr. Hans Dickel, Prof. Dr. Andres Lepik, Christiane Meyer-Stoll, Tilman Müller-Stöfen und Barbara Schäfer an.

Just what is it
that makes today’s performances …

15.01., 22.01., 29.01., 05.02.,
12.02. und 19.02.

Mittwochs, 19 Uhr

Im Kunstraum ertönt Anfang des Jahres ein Echo auf diese Frage. An sechs Abenden wird nicht an einer Antwort gefeilt, sondern die Frage fortgeführt, je einer anderen Fährte nachgegangen, einem neuen Protagonisten gefolgt, sich einem alternativen Begriff von Performance genähert.


Mittwoch, 15.01., 19 Uhr
Performance: Curandi Katz (Pesaro, Italien)
»These are difficult times for artists and lovers alike«*

Das italienische Künstlerduo Curandi Katz gibt mit seiner Performance den Auftakt. Im Kunstraum wird eine Art (psycho-)therapeutische Sitzung abgehalten, bei der die Besucher eingeladen sind, sich buchstäblich die Schuhe der Künstler anzuziehen, an einer intimen Diskussion teilzunehmen und eine individuelle wie kollektive emotionale Verbindung mit den Künstlern einzugehen. Am Ende steht möglicherweise die Erkenntnis, wie man sich einerseits als kreative Einheit erhält und gleichzeitig Unterstützung in der Kunstgemeinschaft findet.

* Der Titel – leicht paraphrasiert – ist dem Essay »You make me feel mighty real« des Kunstkritikers Jan Verwoert (2010) entliehen. Curandi Katz (Valentina Curandi und Nathaniel Katz) entwickelte Projekte in der Flux Factory, im PS1 MoMA und im Center for Book Arts, New York, und an verschiedenen Institutionen in Europa. Im Juli 2013 war das Duo Finalist beim Live Works Performance Art Award in Centrale Fies (Dro, I) und hat seit Kurzem eine Residency im Goleb, Amsterdam.

www.curandikatz.net





Mittwoch, 22.01., 19 Uhr
Diskussion mit Visuals: B-Art-Kollektiv (München) und Statt Wien (Wien)
»Bettelmafia immer dreister? – Urbane Interventionen in München und Wien«

Betteln ist stets ein Reizthema, nicht erst seit den aktuellen polemischen Äußerungen zur sog. »Armutsmigration« aus Bulgarien und Rumänien. Dagegen intervenieren Künstlerinnen und Künstler in verschiedener Weise: 2013 in München mit der Bettelzeitung (BZ) des B-Art-Kollektivs, 2012 ernannte die Kunstgruppe Statt Wien den Wiener Bettelbeauftragten. Über die Aktionen und ihre Hintergründe diskutieren Kurto Wendt (Statt Wien), Julia Serdarov (B-Art-Kollektiv), Alexander Thal (Caritas München), moderiert von Ralf Homann.

Das Münchner B-Art-Kollektiv widmet sich seit 2012 der Entkriminalisierung der Armut. In seiner Herangehensweise verwebt es mediale Verfahren mit der Performanz des Urbanen. Statt Wien ist eine 16-köpfige Kunstgruppe, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Mär von kriminellen Bettelbanden zu widerlegen. Im Rahmen der »Wienwoche« 2012 entstand ihre Medienguerillaaktion »Tag der organisierten Bettelei«. Noch bis zum 16. März 2014 ist die Arbeit von Statt Wien im Kunstraum Niederösterreich in der Ausstellung »copy non conform« zu sehen.


Mittwoch, 29. 01., 19 Uhr
Performance: Veda Popovici (Bukarest)

»Generally, a relaxed body results in fewer injuries during falling.« – fragment from the Now-Fall Training Handbook.

Als Lecture-Performance wird Veda Popovici einen Part aus ihrem Projekt »The Story of the Fall« vortragen. In der Zukunft angesiedelt bezieht sich die Erzählung auf eine Postapokalypse, die im Hier und Jetzt noch bevorsteht. Mit dieser Retro-Prophezeiung versetzt die Künstlerin sich und das Publikum in einen kollektiven Akt der (fiktiven) Erinnerung. »Everybody is welcome to listen to the ›Story of the Fall,‹ which, of course, is the story of the End.«

Veda Popovici (geb. 1986, in Rumänien) lebt und arbeitet in Bukarest als Künstlerin, Theoretikerin und politische Aktivistin. Sie befasst sich mit kollektiven Vorgehensweisen und der politischen Dimension von Kunst und war Teilnehmerin an verschiedenen Projekten und Ausstellungen u.a. am KW Institute of Contemporary Art Berlin und der Akademie der Bildenden Künste Wien. Derzeit ist sie Doktoratskandidatin an der University of Arts in Bukarest.





Mittwoch, 5. Februar, 19 Uhr
Performance mit Zeichensprache, Handmassage
und Schattenspiel: Thomas Kratz (Berlin)
»Colour Blind«, 2013

In Thomas Kratz’ Performance »Colour Blind« vermischen sich verschiedene Sinneserfahrungen, wie Sehen und Tasten, mit unterschiedlichen visuellen Zeichensystemen: Schattenspiele, Taubstummensprache und Handmassagen vermengen sich mit rituell anmutenden Handlungen an alltäglichen Gegenständen und Personen. Im Spiel von Rückkopplungen, Redundanzen und wechselseitigen Übersetzungen, im Gegenüber von Stummheit und Blindheit, werden verfehlte wie glückliche Annäherungen an das Reale eklatant, die nicht nur Fragen nach den Grenzen sprachlicher und schriftlicher Repräsentation aufwerfen.

Thomas Kratz (geb. 1972, lebt in Berlin) arbeitet in den Medien Malerei, Installation und Performance. Sein Interesse gilt nicht zuletzt der Bildoberfläche als Haut und Membran sowie dem menschlichen Körper als Erfahrungs-, Projektions- und Handlungsobjekt. Zuletzt waren Arbeiten von ihm auf der ABC in Berlin, im Bielefelder Kunstverein sowie in den Galerien Collicaligreggi (Catania) und Croy Nielsen (Berlin) zu sehen. Die Performance »Colour Blind« wurde erstmals 2013 im Künstlerhaus Halle für Kunst & Medien, Graz, gezeigt. In München ist er demnächst in der Ausstellung der Lothringer Halle »Die Antwort der Dinge« (14.02. bis 23.03.2014) vertreten.

Photo: Markus Krottendorfer





Mittwoch, 12.02., 19 Uhr
Vortrag: Josef Bairlein (München)

In der Verschränkung differenter Performance-Paradigmen nähert sich der Vortrag dem Begriff der Performance an, um am Beispiel der Formate des Audio- und Videowalks – wie sie unter anderem mit den Namen Janet Cardiffs und George Bures Millers verknüpft sind – ein Netzwerk sich gegenseitig herausfordernder Entitäten zu entfalten. In diesem treten nicht nur Menschen, sondern auch Elemente der virtuellen wie aktuellen Umgebung als Akteure und Performer auf.

Josef Bairlein studierte Theaterwissenschaft, Neue deutsche Literatur und Philosophie. Von 2007 bis 2009 Mitarbeit im LMUexcellent-Projekt »Networking. Zur Performanz distribuierter Ästhetik«. Er lehrt derzeit an der Theaterwissenschaft München der Ludwig-Maximilians-Universität, sowie an der Bayerischen Theaterakademie August Everding/Hochschule für Musik und Theater.




​Bild: CARDIFF & MILLER, Video walk, 26 minute walk. Produced for dOCUMENTA (13), Kassel, Germany



Mittwoch, 19.02., 19 Uhr
Performance: Balz Isler (Berlin/Zürich)
»Hide and Seek vs. The Undercover Series«
Ein Raumversuch, um die Verlässlichkeit von digitalen Nöten zu bebildern

Balz Isler besitzt ein lebendiges Archiv aus digitalem und analogem Filmmaterial, Bildern, Tonspuren und Objekten, aus dem sich seine Kunstform speist, eine Mischung aus Performance, Konzert und Vortrag. Die einzelnen Komponenten reiht er dabei, scheinbar assoziativ einer inneren Narration und spontanen Dramaturgie folgend, an- und übereinander und singt oder rezitiert eigene Lyrics, gefundene Texte und Beobachtungen, sodass allmählich ein sich kontinuierlich verdichtendes audio-visuelles Tableau entsteht.

Anschließend im Gespräch mit der Theaterwissenschaftlerin Iris Cseke (LMU, München), die in ihrem Fach derzeit eine Forschungsarbeit zum Thema »Inszenierung und Öffentlichkeit im Netzwerk YouTube« verfasst und diesbezüglich 2011 Forschungsaufenthalte in Budapest und Amsterdam verbrachte.

Balz Isler (*1982) studierte an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. 2011 war er Stipendiat der Freien und Hansestadt Hamburg und 2012 bei »Junge Kunst in Essen« am Kunsthaus Essen. Seine (Lecture) Performances, Pictorial Concerts und freien Arbeiten waren bisher auf Festivals, in Theatern und Ausstellungen in Deutschland und den Nachbarstaaten zu sehen, z. B. im MMK Palmengarten, Frankfurt/M., im Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen, auf dem Jazz Festival Kopenhagen, am Folkwang Museum, Essen, am Frascati Theater, Amsterdam, oder in den Sophiensaelen, Berlin.

http://www.balzisler.org