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Gesine Grundmann, Michel Klöfkorn, Björn Kuhligk, Rolf Poellet
6. bis 28. November 2014
Eröffnung: Mittwoch, 5. November 2014

Im Rahmen der Eröffnung liest Oliver Mallison (Münchner Kammerspiele) einen Text von Björn Kuhligk.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Gegenüberstellung von Bildender Kunst und Text. Dabei geht es um mehr als die rein visuellen Qualitäten von Schrift im Bild oder der Entstehung von Bildern im Kopf durch Texte. Von Interesse sind vielmehr künstlerische Positionen, die mit textuellen Strukturen arbeiten. Der Versuch, mit Serialität, Differenz und Wiederholung im weitesten Sinn komplexe Ausdrucksformen zu entwickeln, verbindet die künstlerische Arbeit von Gesine Grundmann, Michel Klöfkorn, Björn Kuhligk und Rolf Poellet. Das entstehende Gefüge der Positionen schafft einen Raum, in dem die Begriffe Text und Bild in gegenseitigen Referenznahmen erzeugt werden. Die Grenzen zwischen den Begriffen werden zu Gunsten einer übergeordneten Struktur verschoben, die näher an tragfähige Selbstbefragungsstrategien heranreicht. Kunst verharrt hier nicht nur einem Aggregatzustand, sondern entfaltet sich über Gattungs- und Genregrenzen hinweg.

Ein speziell für die Ausstellung verfasster Text von Björn Kuhligk, eingelesen vom Autor selbst, ist dauerhaft in der Ausstellung präsent. Der Zusammenhang, in dem die verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen stehen, ist vielschichtig und führt zu gegenseitigen Inspirationsrückkopplungen: Es werden neue Räume eröffnet, auch und gerade auf die grundsätzlichen Fragen hin: Warum Text und Kunst? Schrift und Bild? Und was hat das mit Malerei oder Bildhauerei zu tun?

Rolf Poellets Malerei beschäftigt sich mit einer Reduktion des Gegenständlichen; die Pinselstriche erlauben eine Auflösung der Form, die den Bildgegenstand zu einem abstrakten macht, um doch die Form der Figur und des Bildaufbaues nicht zu verleugnen. In seinen großformatigen, seriell angeordneten Wandarbeiten wird der Betrachter mit in den Reduktionsprozess und in die Dechiffrierung hineingezogen. Neben der Auslotung der seriellen Arbeitsweise ist ein weiteres wichtiges Moment der Malerei von Rolf Poellet die ornamentale Auffassung von Fläche und Kontur, die eine Autonomie gegenüber dem Bildgegenstand erreicht, so dass dieser keine außerbildliche Realität bezeichnet, sondern selbst Ausdruck des Bildes ist.

Die Materialität der Dinge und ihre Eigenschaften, die ihr Potenzial an Möglichkeiten ausmachen und gleichzeitig kulturgeschichtliches Repertoire referieren, sind das Arbeitsfeld der Bildhauerin Gesine Grundmann. Materialien wie Metall, Holz, Stoff oder Kunststoff aus ihrer unmittelbaren Umgebung unterzieht Gesine Grundmann durch meist minimale Eingriffe in der Bearbeitung der Oberfläche einer differenzierten Betrachtung. Die Arbeiten oszillieren im Spannungsfeld von Billig- und Edelmaterial, Leichtigkeit und Schwere, industrieller Massenproduktion und Handarbeit. Sie bedingen sich im übertragenen, sprachlichen Sinne als „Verdichtung“, auch in Form und Wiederholung, erzeugen in ihrer Wahrnehmung eine Vielschichtigkeit und Mehrdeutigkeit sowie ein hohes Maß an Intensität.

Der Filmemacher Michel Klöfkorn zeigt auch Buchobjekte, die unser Auge auf die Probe stellen, indem das Ausgangsmaterial einer gezielten Dekonstruktion unterzogen wird. Klöfkorn zerschneidet beispielsweise Bildteile in dünne Streifen und webt diese neu zusammen. Für den Animationstreifen „Liquid Paper“ schnitt er mit dem Cutter Figuren in mehrere Bildbände, die abgespielt einen neuen Bilderrausch ergeben. Der Filmrhythmus ist ein Stakkato, das den Betrachter in die Buchseiten hineindrängt in einen Reigen aus Textpassagen, Buchstaben und Bildern.

Kuratiert von Dr. Patricia Drück

Michel Klöfkorn

„Flüssiges Papier/Terrysworld“, 2010

Cut-Outs im Bildband Terrysworld von Terry Richardson

Courtesy Kai Middendorf Galerie

Die Ausstellung wird unterstützt von

Rischart sowie von der Erwin und Gisela von Steiner-Stiftung