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Isaac Chong Wai
Kapitel B: An Artistic Archive of Borders
30.05 – 08.07.2018

Kuratorenführung im Kunstraum, Holzstraße 10:
Samstag, 09.06. um 15 Uhr

Weiter geht die Führung um 16:30 Uhr im
Apartment der Kunst, Schönfeldstraße 19 Rgb.
(Kapitel A: The Rehearsal of the Futures)

Künstlergespräch im Kunstraum:
Sonntag 08.07., 16 Uhr
mit Heinz-Norbert Jocks

Kuratiert von Nina Holm




Egal an welchem Ort wir uns befinden, es gibt immer Linien und Formen, die vor oder hinter uns liegen und unser Dasein bestimmen: Grenzen. „An Artistic Archive of Borders“ von Isaac Chong Wai untersucht die Entstehung von Grenzen und deren Assoziationen in der heutigen Welt. Die Ausstellung im Kunstraum versammelt frühere als auch neue Werke: Installationen, Objektarbeiten an Wand und Boden, Fotoarbeiten und Videos.

Chong geht der abstrakten Idee einer Grenze nach und stellt folgende Fragen: Wie ist eine Grenze konstruiert? Wie kann sie mittels künstlerischer Praxis neu gedacht und gestaltet werden? Kann eine Grenze Schmuck sein? Kann sie süß und weich sein? Kann eine Grenze eine verkäufliche Ware sein? Sich diesen Aspekten widmend, schafft der in Hong Kong aufgewachsene Künstler ein Archiv, das die Konzeptualisierung von Kunst als Instrument der Versöhnung in einer Welt demonstriert, in der die Grenze eine Idee ist, die sowohl Hass und Liebe auslöst, Vereinigung und Diaspora, Migration und Schutz, Terror und Sicherheit, Tod und Überleben.

Die Ausstellung zeigt frühere als auch neue Arbeiten des gebürtigen Chinesen. Unter anderem ist sein Projekt „I Made a Boat in Prison“ zu sehen, für das er Zaundraht aus dem Hof des ehemaligen Jugendgefängnisses in Weimar schnitt, um ein Boot zu bauen. Das Motto der EU, „In Vielfalt geeint“, überprüft der Künstler, indem er 28 in Kunstharz gegossene Flaggen und Hymnen in einer Installation zusammenbringt. Die Instabilität von Rändern, Grenzflächen und Abgrenzungen soll zudem in Form eines Walls aus geschmolzener Haribo-Goldbären-Masse dargestellt werden.

Der Titel „An Artistic Archive of Borders“ spielt auf eine neue, zeitgenössische Form des Archivs an, in dem Ideen zum Thema Grenze gesammelt werden und insbesondere der Konflikt zwischen der Idealform einer „offenen Grenze“ und dem inhärenten Bedürfnis, sich abzugrenzen, aufgezeigt wird. Das künstlerische Archiv bietet die Möglichkeit, den Begriff Grenze neu zu durchdenken – Chong ist vor allem an der Ästhetisierung der Grenze interessiert, der Visualisierung des Schrecklichen und des Schönen, um so über künstlerische Mittel zu einer Versöhnung zwischen konkurrierenden Parteien zu gelangen.

Isaac Chong Wai, 1990 geboren in Guangdong, studierte Bildende Kunst an der Hong Kong Baptist-Universität und „Kunst im öffentlichen Raum und neue künstlerische Strategien“ an der Bauhaus-Universität Weimar. Er lebt in Berlin und Hong Kong. In seinen Arbeiten befasst er sich mit Kollektivismus und Individualismus, politischen Perspektiven von Zeit und Raum, Grenzen, Migration, Rassismus, Identitätspolitik, LGBTQ sowie Öffentlichkeit und Menschenrechte, und setzt diese Themen mittels Performance, Video, Fotografie, Multimedia und ortsspezifischer Installationen um.


Ausstellungsansicht: Isaach Chong Wai: Kapitel B: An Artistic Archive of Borders, © Kunstraum München, Foto: Thomas Splett, 2018

Isaac Chong Wai Kapitel B: An Artistic Archive of Borders
Ausstellungsansicht: Isaac Chong Wai, Kapitel B: An Artistic Archive of Borders, © Kunstraum München, Foto: Thomas Splett, 2018
In varietate concordia, 2018

I Made a Boat in Prison – A Drawing of Sunlight, 2015 Installationsansicht: Isaac Chong Wai, I Made a Boat in Prison – The Golden Lens No. 21 & No. 13, 2018, © Kunstraum München, Foto: Thomas Splett, 2018

Ausstellungsansichten:

Isaac Chong Wai, Kapitel B: An Artistic Archive of Borders, © Kunstraum München

Edition

Isaac Chong Wai, The Silent Wall, 2018


Fine Art Print auf Hahnemühle Photo Rag 188, Passepartout, Museumsglas, Rahmen


Motiv 9 × 16 cm, Blattgröße 35 × 41,5 cm
Auflage 6 + 3 AP

Preis (gerahmt): € 750,-

Die Ausstellung wird gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, das Konfuzius-Institut München und die Burger Collection.



Die Ausstellung im Kunstraum ist der zweite Teil eines Ausstellungsprojekts, das in enger Zusammenarbeit mit dem Apartment der Kunst entstanden ist, ein ebenso unabhängiger Ausstellungsraum in München. Das dort gezeigte „Kapitel A: The Rehearsal of the Futures“ besteht aus einer raumgreifenden Videoinstallation auf Basis einer Performance in drei asiatischen Ländern, die sich mit der Verknüpfung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im öffentlichen Raum beschäftigt. Die zeitliche Überschneidung der beiden Ausstellungen von einer Woche eröffnet die Möglichkeit, verschiedene Facetten im Werk des Künstlers kennenzulernen und formale und inhaltliche Parallelen zu entdecken.

Isaac Chong Wai
Kapitel A: The Rehearsal of the Futures
12.05.– 08.06.2018
Eröffnung: Samstag,12.05., 15–19 Uhr
Apartment der Kunst, München
http://www.apartmentderkunst.de

Hlynur Hallsson

ALLTSAMAN – DAS GANZE – ALL OF IT
29.03. – 06.05.2018

Eröffnung und Performance
Mi, 28.03., 19 Uhr

Kuratorenführungen
So, 22.04., 16 Uhr
So, 06.05., 16 Uhr

Hlynur Hallsson: “JÁ/NEI”. Foto: © Steig, VG Bild-Kunst, Bonn 2018







Ausstellungsansichten: Hlynur Hallsson, ALLTSAMAN © Kunstraum München Fotos: Thomas Splett, 2018
Ausstellungsansichten: Hlynur Hallsson, ALLTSAMAN - DAS GANZE - ALL OF IT
© Kunstraum München, Fotos: Thomas Splett, 2018


Der isländische Künstler Hlynur Hallsson (*1968) bewegt sich in den Feldern
Textarbeit (Graffiti), Video, Grafik, Fotografie und Performance. In München waren
Hallssons Arbeiten in zwei Gruppenausstellungen 2006 und 2013 zu sehen. Nun
zeigt der Kunstraum München Hallssons erste große institutionelle
Einzelausstellung ALLTSAMAN – DAS GANZE – ALL OF IT in Süddeutschland.

Der Konzeptkünstler wird teils dreisprachig seine Textfunde und Zitate aus
unterschiedlichen Quellen zu signifikanten oder scheinbar banalen Ereignissen
,
eigene Botschaften und Kommentare zum örtlichen Umfeld sowie vermeintliche
Alltagsphrasen an alle Wände des Kunstraums sprühen. Seit 2002 sind über 20
dieser Textprojekte in Dänemark, Deutschland, Island, Japan, Kroatien, Schweden
und den USA realisiert worden. Geschrieben wird meist in seiner Muttersprache,
dann in Englisch als der beherrschenden Verkehrssprache und der Sprache am
Ausstellungsort. Die Hyperauthentizität der Versalien, ihre Farbgliederung und
ihre raumbezogene Anordnung gepaart mit einem Gespür für die jeweiligen
semantischen Besonderheiten und Absurditäten dürfen als aktueller Beitrag
politisch-konkreter Poesie gelesen werden, deren tragische Erkenntnisse teils
humorvoll gestützt werden, teils bodenlos offen bleiben.

Zur Ausstellung erscheint eine Edition.

Kuratiert von Alexander Steig

Die Ausstellung wird gefördert von:

[Gast] Katalogpräsentation:
Buon Lavoro!
Four Films on Workers' Communities
von Cora Piantoni

Freitag, 16.3.2018,
19 Uhr


Cora Piantonis erste Monografie, die zu Beginn des Jahres 2018 bei Archive Books erschienen ist, stellt exemplarisch vier ihrer Filme vor.

Piantonis Arbeit beschäftigt sich mit den Jahren vor dem Mauerfall und dem politischen Umbruch, den das Ende des Kalten Krieges mit sich brachte. In ausgiebigen Interviews befragt sie an einem historischen Ereignis Beteiligte. Ausschnitte dieser Gespräche bilden die Tonspur ihrer Filme und die Basis ihrer Textarbeiten. Parallel entwickelt sie mit ihren Gesprächspartnern Reenactments der Ereignisse aus der Vergangenheit, bewegte Bilder, die für eine politische oder gesellschaftliche Situation stehen. Die Strategie des Reenactments
findet sich im Buch wieder. Ein Ereignis, das für den Film nachgestellt wurde, wird im Buch nachinszeniert bzw. neu interpretiert. Der Rechercheprozess, der zu den Arbeiten führt, wird anhand von Archivmaterial und Interviews gleichberechtigt neben den Arbeiten gezeigt.

[Gastprojekt]


Blooming Signals
08.02. – 11.03.2018

James Gregory Atkinson
Natalie Czech
Sarah Lehnerer
Aykan Safoğlu
Monica Studer /
Christoph van den Berg

Eröffnung:
07.02., 19 Uhr

Samstag, 10.02., 14 Uhr
Führung durch die Ausstellung
von Benedikt Seerieder

Sonntag, 04.03., 16 Uhr
Führung durch die Ausstellung
von Franziska Linhardt








In der Ausstellung Blooming Signals setzen sich James Gregory Atkinson, Natalie Czech, Sarah Lehnerer, Aykan Safoğlu, Monica Studer / Christoph van den Berg mit der Aneignung, Übertragung und Transformation von kulturellen Zeichen und Bedeutungsträgern auseinander. Jenseits des gesprochenen Wortes dominieren heute diverse Signale und Vehikel die zwischenmenschliche Kommunikation: Symbole, Bilder, Klänge und Texturen formen unsere Wirklichkeit. Sie vermitteln Bedeutungen, markieren Seinsweisen und konstruieren Trennungen wie Gemeinschaften. Dabei erweisen sie sich keineswegs als eindeutig: Signale wandeln beständig ihre Gestalt, Kontexte und Bedeutungen und stiften ein poetisches Potential.

Kuratiert von Franziska Linhardt und Benedikt Seerieder





Die Ausstellung wird gefördert von:

Ein Kunstraum-Gespräch neben der Information:

Fünf Jahre Münchner Nazi-Terror-Prozess. Neuer deutscher Rassismus und das Problem der Geheimdienste im NSU-Komplex – mit einem Vortrag von Friedrich Burschel über die Konsequenzen

Mittwoch, 31. Januar 2018, 19 Uhr

Nürnberg



Im Mai 2018 werden es fünf Jahre sein: Seit 2013 trifft sich fast jede Woche in Saal A101 des Strafjustizzentrums an der Nymphenburger Straße der 6. Strafsenat des Münchner Oberlandesgericht. Zur Zeit laufen die Schlussplädoyers. Weder diese 400 Verhandlungstage des NSU-Prozesses, noch die mittlerweile 13 parlamentarischen Untersuchungsausschüsse haben eine umfassende Aufklärung des Nazi-Terrors erbracht. Das Kunstraum-Gespräch gibt einen groben Überblick über die offenen Fragen und diskutiert Vermittlungsstrategien, die zum Ende des Prozesses erwartet werden: Wird der Prozess als Ruhmesblatt deutscher Rechtsgeschichte in den Medien gezeichnet oder wird stattdessen eine Kritik an den deutschen Inlandsgeheimdiensten dominieren? Könnte es gar eine breite Debatte des neuen deutschen Rassismus geben?

Und noch ein Aspekt des Kunstraum-Gesprächs: Nach der Ermordung der Unternehmer Mehmet Kubaşık in Dortmund und Halit Yozgat in Kassel am 4. bzw. 6. April 2006 demonstrierten in beiden Städten tausende Menschen migrantischen Hintergrunds unter dem Motto „Kein 10. Opfer!“. Dennoch nahm auch keine kritische und linke Öffentlichkeit von dem mörderischen Agieren des NSU Notiz, sondern hat sich von den Medien, die die Polizeiversionen ungeprüft übernahmen, den Bären krimineller Machenschaften im „Ausländermilieu“ aufbinden lassen. Niemand hat gegen die Etikettierung der grausamen Hinrichtungen als „Döner-Morde“ je lautstark protestiert oder – außer den Betroffenen – auch nur Zweifel angemeldet. In der Rückschau: Was könnten Ursachen sein? In der gegenwärtigen Betrachtung: Welche gesellschaftlichen und politischen Konsequenzen spielen im Gericht und in den Medien so gut wie keine Rolle? In der Vorschau: Warum können wir beim besten Willen kein Hakenkreuz entdecken?

Friedrich Burschel
ist Mitarbeiter des Prozessbeobachtungsprojekts NSU-Watch (nsu-watch.info) und am Oberlandesgericht München akkreditierter Korrespondent des thüringer Bürgerfunks Radio Lotte Weimar. Burschel hat bisher fast jeden Prozesstag besucht. Er ist Referent zum Schwerpunkt Neonazismus und Strukturen/Ideologien der Ungleichwertigkeit bei der Akademie für Politische Bildung der Rosa Luxemburg Stiftung und lebt heute in Berlin. Vorher war Friedrich Burschel künstlerischer Leiter des Kulturzentrums Altes Kino in Ebersberg bei München.

Moderation: Ralf Homann
Mitglied im Vorstand des Kunstraums. Er kuratiert zur Zeit die kommende Einzelausstellung der in Wien lebenden Künstlerin Eva Egermann „Kranke Sounds (Devianz und Pop)“. In seinen künstlerischen Arbeiten beschäftigt sich Homann seit vielen Jahren immer wieder mit rassistischer Praxis. Am 20. Januar 2018 senden BR und WDR seine Dokumentation: „Die Offenen Fragen – Dokumente der Nebenklage im NSU-Prozess“ (Regie: Karl Bruckmaier).

Alexander Steig
VISUS VISERE

Mittwoch, 24. Januar, 19 Uhr





Buchpräsentation und Interview-Film in Anwesenheit der Kuratorin Patricia Drück und des Künstlers Alexander Steig sowie des Grafikers Andreas Henze, des Fotografen Frank Stolle und des Verlegers Hubert Kretschmer.

Im Programm des icon Verlages erschien 2017 Publikation VISUS VISERE anlässlich des gleichnamigen Projektes von Alexander Steig im Kunstraum München. Ausstellung und begleitende Vortragreihe „Alles unter Kontrolle“ fanden bereits 2011 statt. Umso mehr freuen wir uns, dass der Kunstraum als Herausgeber nun sein „jüngstes Druckwerk“ vorstellen kann.

Steigs damalige Closed-Circuit Videoinszenierung setzte den Besucher medial in die wechselseitige Rolle des beobachteten Objekts und beobachtenden Subjekts; generell warf seine Arbeit Fragen nach dem Konflikt der (staatlichen) Fürsorge und des damit einhergehenden (gewollten/ungewollten) Intimitätsverlustes auf. Die vier Beiträge der Publikation greifen mit unterschiedlicher Blickrichtung auf diese Konstellation zu und entwickeln darüber hinausgehende Überlegungen zur Ästhetik der Kontrolle.

Publikation mit Beiträgen von Ilka Kreutzträger und Nils Zurawski, Patricia Drück, Simon Frisch und Slavko Kacunko

Julien Viala, John Beeson, Edition Taube
BIEN COMMUN

Mittwoch, 17. Januar, 19 Uhr





Objektpräsentation des Künstlers Julien Viala in Zusammenarbeit mit dem Autor John Beeson und Jonas Beuchert/Edition Taube.

Im Rahmen einer Ein-Tages-Ausstellung stellt der Kunstraum eine Arbeit vor, die an der Schnittstelle von Edition, Künstlerbuch, Publikation und Skulptur fungiert. Der Titel „Bien commun“ beschreibt im Französischen (mehr noch als das deutsche „Gemeinwohl“) das Gut innerhalb einer Gesellschaft und eines kulturellen Kreises im politischen, philosophischen und theologischen Sinn. Die Terminologie ist Ausgang für eine Erörterung von Julien Viala und seinen Kollaborateuren.

Julien Viala hat einen schier endlosen Fundus an fotografischen Beobachtungen gesammelt, wie Kunstwerke, kunsthistorische Artefakte oder ästhetische Eingriffe im öffentlichen und halböffentlichen Räumen „auftreten“. In Zusammenarbeit mit Jonas Beuchert von Edition Taube entstanden daraus einen halben Meter lange Papierblöcke mit einer scheinbar endlosen Anzahl von Seiten, in zufälliger Reihenfolge wie Bücher verleimt. John Beeson beleuchtet in seinem gleichnamigen Essay verschiedenen Aspekte und 
Konflikte, die mit dem Begriff „Bien commun“ und dessen 
Übersetzung in unterschiedliche Sprachen und Kontexte verbunden sind. Am Abend werden die Papierblöcke angeschnitten und in zufällige Bücher zerteilt.

Weiteres über „Bien Commun“ wird von Julien Viala und Jonas 
Beuchert von Edition Taube im Gespräch mit Nina Holm verraten.