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Li Xiaofei
Assembly Line

19.03. – 26.04.2020

Eröffnung: Mittwoch, 18.03., 19 Uhr

Künstlergespräch: Sonntag, 22.03., 15 Uhr
Werkstattkino München: Sonntag, 29.03., 16 Uhr
Kuratorenführung: Sonntag, 26.04., 16 Uhr



Assembly Line (dt.: Fließband) ist eine seit 2010 fortlaufende Serie von Videoarbeiten des chinesischen Künstlers Li Xiaofei. Er untersucht im direkten Umfeld von Warenproduktion filmisch Prozesse des sozialen Wandels vornehmlich in China, aber auch auf globaler Ebene. Derzeit gibt es zwei Phasen des Projekts: Die erste Phase von 2010-2013 konzentrierte sich nicht nur auf Video als Form, sondern auch als Werkzeug zur Analyse der Fließbandarbeit. Während dieser Zeit drehte Li nacheinander in den Deltas des Jangtse und des Perlflusses, in Schweden, Norwegen, den USA und Neuseeland, und erschloss über 100 verschiedene Fabriken, wobei er einen Dialog mit Menschen unterschiedlicher Positionen innerhalb der Produktion führte. Li verwendete damals eine bestimmte Form der „Echtzeit“-Aufnahmetechnik, gemischt mit Anleihen an den Dokumentarfilm, um die Aufnahmen anschließend zu fragmentieren und zu verweben und in der Um- und Neustrukturierung und Transformation Verhältnisse zwischen Mensch und Maschine zu beleuchten. Er selbst spricht von einer „illusorischen Realitätsrekonstruktion“, die er auf den Raum hin in seinen Videoinstallationen und Mehrkanalprojektionen anpasst.

Nach Ansicht von Li Xiaofei herrscht am Fließband eine Produktionsweise, die vom kapitalistischen Verlangen getrieben wird - es ist repetitiv, beständig, mechanisch, emotionslos. Gleichzeitig ist es hocheffizient und kann das Produktionsvolumen sinnvoll erweitern, um die maximale Wertschöpfung zu erzielen. Seine Beobachtung der eintönig erscheinenden Wiederholung und gleichmäßigen Beständigkeit am „Montageband“ bezieht sich nicht nur auf die Maschinen, sondern auch die Menschen „dazwischen“ und schließlich auf die Produkte selbst.

In seiner ersten institutionellen Einzelausstellung in Deutschland zeigt Li Xiaofei im Kunstraum München neun Videoarbeiten, deren Schwerpunkt auf seinem jüngeren Schaffen der letzten 2 Jahre liegt. Seit 2013 erforscht Li Xiaofei in erster Linie das, was außerhalb der Ordnung des Fließbands, der kapitalistischen Fabrik, der Konsumgesellschaft, des sozialen Fortschritts und der sozialen „Vorgaben“ liegt - die Realität der Menschen, die in einem hoch systematischen und institutionalisierten Umfeld leben oder agieren. In den letzten vier Jahren verfolgte er verschiedene künstlerische Ansätze, wobei nun auch „Alltagsmomente“ Eingang fanden und eine nicht narrative Methode verwendet wird; ergänzend zum Arbeitsumfeld werden Landschaften und Gebäude abgebildet, Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln gezeigt, von Detailbeobachtungen hin bis zur Totalen. Nach wie vor scheinen die Aufnahmen unauffällig produziert, die Szenen sehen alltäglich aus, doch durch diese Verschiebung bzw. Erweiterung scheint die Empathie des Künstlers mit den ArbeitnehmerInnen und ProduzentInnen durch, die Frage nach den sozialen Umständen seiner „ProtagonistInnen“ gewinnt an Bedeutung.

Der Kunstraum München freut sich, Li Xiaofeis jüngste Arbeiten seines Assembly Line zeigen zu können. Der Künstler nimmt im März eine Residenz im Ebenböckhaus des Kulturreferates der Landeshauptstadt München wahr. Am 29. März zeigt Li Xiaofei eine Auswahl weiter Filme im Werkstattkino (Fraunhoferstr. 9) und bietet ein Gespräch mit dem Publikum an.

Kuratiert von Alexander Steig

Es erscheint eine Edition.

Li Xiaofei ist Gastkünstler im Ebenböckhaus München

Die Ausstellungs wird gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München

In Kooperation mit

Jonas von Ostrowski

08.-10.05.2020

Eröffnung: Donnerstag, 07.05., 19 Uhr



FURNITURE FOR LOS ANGELES

Kuratiert von Konstantin Lannert


Während die Architekturbiennale 2020 in Venedig im Titel fragen wird „How will we live together?“ oder die Kunsthalle Wien 2017 zeigte „How to live together“ wird im Kunstraum München ab dem 07.05.2020 in einer 72-Stunden-Ausstellung gemeinsam diskutiert, gestritten, gelebt. Denn in der Wanderausstellung FFLA geht es um Existentielles.

Ein fertiges Interieur empfängt die Besucher*innen. Die von Jonas von Ostrowski entworfenen und gebauten skulpturalen Wohnelemente – die zukünftigen Möbel des House with clear shapes and a complex entrance* – stellen Präpositionen für ein Seinsgefühl dar. Wie wollen wir leben? In welchen Räumen, an welchen Orten, mit welchen Dingen? Welche Rolle übernehmen dabei künstlerische Visionen? Wie und mit wem werden wir kooperieren, arbeiten, sein?

Unsere physische und sinnlich wahrnehmbare (Um)Welt, zusammengesetzt aus Lebewesen, Natur und daraus wiederum gefertigten Dingen, prägt nicht nur unser Sein, es ist, was wir sind. Andersherum: wir sind, was da ist. Die uns umgebende Welt, beziehungsweise das, was wir davon bewusst und unbewusst wahrnehmen, lässt uns unsere Leben so leben, wie wir das jeweils individuell und gemeinsam machen. Womöglich ist unser Gestaltungsraum dabei relativ gesehen gering. Dass aber eine Vita activa – welche an dieser Stelle eben nicht als Gegenpol zur Vita contemplativa, sondern sozusagen als dessen logische Folge betrachtet werden soll –, ein Hineingreifen in die uns umgebende Welt, das Kneten des Existenzteiges, auf uns selbst und andere einen Einfluss hat, davon sind wir überzeugt.

Nur welche Formen wünschen wir uns für das Sein, wie sollen die Etwasse ausschauen, sich anfühlen, riechen und schmecken, in und mit denen wir gemeinsam leben? Welche Entwürfe von Welt sind denkbar, wie wollen wir diese diskutieren und welche setzen wir um, bauen wir auf?

FFLA ist als Wandersalon dieser und ähnlichen Fragen gewidmet.

Bevor im Juni diesen Jahres das Kunstprojekt Los Angeles im nordhessischen Günsterode* eröffnen wird, reist die Ausstellung FFLA von München, dem Ort ihrer Entstehung, über Kassel nach Günsterode. Dort kommt es zur finalen Aufstellung im House with clear shapes and a complex entrance*. Anschließend werden die FFLA das Mobiliar für Resident*innen aus aller Welt sein, wird auf und mit ihnen gedacht und gemacht, gesessen, gegessen und geträumt werden.

Vorher aber laden wir Alle ein; Benutzer*innen dieser Möbel und Proberesident*innen von Los Angeles zu werden; An der Diskussion drängender Fragen unserer Gegenwart teilzunehmen, Fragen, für deren Beantwortung das klassische Denken in Disziplinen schon lange überflüssig geworden zu sein scheint, in denen sich Ideen aus Kunst, Architektur oder den Geistes- und Naturwissenschaften mischen, in denen die Wiese zur Bühne, die Scheune zum Reagenzglas und das Dorf Günsterode zum Observatorium der Welt wird.

Konstantin Lannert


* LOS ANGELES ist ein Kunstraum. Auf dem 3000 m² großen Grundstück am Rande des Dorfes Günsterode unweit von Kassel entsteht in den nächsten Jahren ein bewohnbarer Skulpturengarten, der aus sich selbst heraus wächst und sich weiterentwickelt. LOS ANGELES ist Treffpunkt und Arbeits- und Aufenthaltsort für Künstler*innen, Architekt*innen und Theoretiker*innen. Aufenthalte in LOS ANGELES haben das Ziel der Herstellung von künstlerischen Arbeiten, idealerweise ortsspezifisch und ortsgebunden. Die so in LOS ANGELES entstehenden Objekte, Skulpturen oder Installationen werden teilweise auch praktisch notwendige Strukturen, beispielsweise zum Schlafen, Essen, Arbeiten etc. bieten.

Begleitend findet ein aus Workshops, Seminaren, Ausstellungen und Künstlerresidencies bestehendes und von Konstantin Lannert und Jonas von Ostrowski kuratiertes Begleitprogramm statt. Zu Veranstaltungen und Besichtigungen öffnet sich LOS ANGELES für Besucher.

Das Projekt LOS ANGELES dreht sich um Themen wie das utopische Moment des Bauens, die Potenziale einer ländlichen Umgebung gegenüber einem urbanen Kontext, die Zusammenhänge von alltäglichen Notwendigkeiten und künstlerischen Fragestellungen und die Möglichkeiten einer selbstorganisierten Form von Kunst.

Im Juni 2020 wird LOS ANGELES mit der Fertigstellung des ersten bewohnbaren Objekts, dem “House with clear shapes and a complex entrance“, eröffnet. LOS ANGELES ist ein Projekt des Künstlers Jonas von Ostrowski.

LOS ANGELES und das “House with clear shapes and a complex entrance“ wird realisiert in Zusammenarbeit mit dem Architekten Philipp Nitsche.


Die Ausstellung wird gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München.

The Itching.
Gewalt des Außer-Ordentlichen

Tagung
Samstag, 16.05.2020

Ergänzend findet ab Sonntag, den 12.02.,
die 8-teilige Vortragsreihe
“Favorit Mumbo Jumbo. Fremdheit und Nicht-Verstehen”
in der Favorit Bar statt.