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[Gastprojekt]


Code and shadow; reverse TRIO
Eine performative Raumstruktur von Lena Grossmann

17.01, 18.01 und 19.01.2020
Jeweils von 16 – 19 Uhr geöffnet

Eintritt jederzeit möglich
Karten an der Kasse vor Ort




Code and shadow; reverse TRIO
entsteht im Kunstraum als eine performative Raumstruktur. Sie wird von drei Tänzer*innen aktiviert und untersucht körperliche Handlung als sprachliche Struktur. Ausgehend von Alltagsbewegungen werden Zusammenhänge von Bewegung, Rhythmus und Sprache hergestellt und ihre Lesart untersucht. Kommunikationsbewegungen bilden das Bewegungsrepertoire der Tänzer*innen, wobei die Bewegungen durch ihren ursprünglich alltäglichen Gebrauch einen für die Betrachter*innen lesbaren Code in sich tragen und so körperliche Zugänglichkeit ermöglichen. Innerhalb der Performance transformieren sich die Bewegungen, verlieren ihren Kontext und erreichen neue Formen, indem sie zu einem körperlichen Abdruck oder Schatten der Ursprungsbewegung entwickelt werden. Es entsteht so ein eigenständig neuer Code, der seinen eigenen Kontext produziert. Die einzelnen „Körper im Raum“, Besucher*innen, Tänzer*innen, Raumstruktur und Notation treten als eigenständige Zustände zurück, während ihr Zusammenhang und ihr mimetisches Potential vorrangig wird. Somit nehmen die Körper eine Art Platzhalterfunktion ein, um Raum und Bewegung als Potential und situatives Moment zu verstehen. Handlung wird als verbindendes Element zwischen Raum und Körper eingeführt.

Als Teil der
Performance erscheint ein Booklet in Zusammenarbeit mit dem Hamman von Mier Verlag. Es stellt eine Navigation durch den Tanz und die Raumstruktur dar und erzeugt einen neuen Zugang zur Bewegung.

Im Kunstraum wird die Performance an drei Tagen über je drei Stunden als begehbare Raumstruktur gezeigt.

Künstlerische
Leitung und Choreographie: Lena Grossmann (München)
Tanz: Jonas Maria Droste (Berlin), Kelly Kaspar (Biel, CH), Yurika Yamamoto (Essen)
Raum: Annabell Lachner (München) und Lena Grossmann

Publikation: Hamman von Mier Verlag (München)


Lena Grossmann ist bildende Künstlerin und Choreographin (Studium an der AdbK München bei Prof. Olaf Nicolai und Studium der Musikkomposition (MA) an der ZhdK Zürich bei Prof. Isabel Mundry). Ausgehend von analytischen und praktischen Auseinandersetzungen mit Bewegungsabläufen im Tanz erarbeitet sie sich in ihrer künstlerischen Praxis eine Bandbreite an Möglichkeiten, sich dem Verhältnis von Körper und Raum anzunähern. Sie entwickelt Formate aus verschiedenen Elementen der Choreographie, des Bühnenbilds, der Notation der Komposition und der Skulptur. In der Verbindung von Bildender Kunst und Tanz sucht sie neue Körper- Form- und Bildsprachen. Ihrem interdisziplinären Ansatz folgend arbeitet Lena Grossmann an einem Bewegungs-Notationssystem, das ein Denken in Bezügen zwischen Raum und Körper verbildlicht. So sucht sie neue Zugänge zu Übersetzungsfragen und zum strukurerweiternden Denken im choreographischen Bereich. Der Körper wird zum Denken aufgefordert.



Die Ausstellung wird gefördert
durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München und den Bayerischen Landesverband für Zeitgenösischen Tanz (BLZT) aus Mitteln des Bayerischen Staatministeriums für Wissenschaft und Kunst.

Sebastian Hirn und Lisa Hörstmann

abandoned positions

06.02. – 08.03.2020

Eröffnung: Mittwoch, 05.02., 19 Uhr

abandoned positions setzt sich mit dem Irakkrieg von 2003 und seinen direkten wie indirekten Folgen für die Region und Europa auseinander. Zwischen 2015 und 2018 interviewten Sebastian Hirn und Lisa Hörstmann Aktivist*innen, die 2003 mit dem Ziel, die Invasion zu verhindern, in den Irak reisten, irakische Flüchtlinge, Mitarbeiter*innen von Hilfsorganisationen und Journalist*innen sowie amerikanische Irakkriegs-Veteran*innen. In einer Zusammenstellung der Interviews mit dokumentarischem Film- und Tonmaterial werden Entwicklungslinien aufgezeigt, die von der Neuausrichtung amerikanischer Außenpolitik nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion bis in die politische Situation der Gegenwart reichen. Die Arbeit gibt den unterschiedlichen, teils widersprüchlichen Perspektiven und Erfahrungen Raum und lässt sie kommentarlos nebeneinander stehen. Den Besucher*innen wird die Möglichkeit gegeben, sich ein eigenes Bild jenseits der herkömmlichen Berichterstattung zu machen.

Die Recherche wurde ermöglicht durch das Spielart Festival, das Kulturreferat der Landeshauptstadt München, die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa, das Santa Fe Art Institute (New Mexico) und das Bemis Center for Contemporary Arts (Omaha, Nebraska).

Kuratiert von Nina Holm



Die Ausstellung wird gefördert durch den
Verein Ausstellungshaus für christliche Kunst.


Li Xiaofei

Assembly Line

19.03. – 26.04.2020

Eröffnung: Mittwoch, 18.03., 19 Uhr

Künstlergespräch: Sonntag, 22.03., 15 Uhr
Kuratorenführung: Sonntag, 26.04., 17 Uhr

Li Xiaofei, Chongming Island II, Video, 15:32, 2018
Li Xiaofei, Chongming Island II, Video, 15:32, 2018


Assembly Line (dt.: Fließband) ist eine seit 2010 fortlaufende Serie von Videoarbeiten des chinesischen Künstlers Li Xiaofei. Er untersucht im direkten Umfeld von Warenproduktion filmisch Prozesse des sozialen Wandels vornehmlich in China, aber auch auf globaler Ebene. Derzeit gibt es zwei Phasen des Projekts: Die erste Phase von 2010-2013 konzentrierte sich nicht nur auf Video als Form, sondern auch als Werkzeug zur Analyse der Fließbandarbeit. Während dieser Zeit drehte Li nacheinander in den Deltas des Jangtse und des Perlflusses, in Schweden, Norwegen, den USA und Neuseeland, und erschloss über 100 verschiedene Fabriken, wobei er einen Dialog mit Menschen unterschiedlicher Positionen innerhalb der Produktion führte. Li verwendete damals eine bestimmte Form der „Echtzeit“-Aufnahmetechnik, gemischt mit Anleihen an den Dokumentarfilm, um die Aufnahmen anschließend zu fragmentieren und zu verweben und in der Um- und Neustrukturierung und Transformation Verhältnisse zwischen Mensch und Maschine zu beleuchten. Er selbst spricht von einer „illusorischen Realitätsrekonstruktion“, die er auf den Raum hin in seinen Videoinstallationen und Mehrkanalprojektionen anpasst.

Nach Ansicht von Li Xiaofei herrscht am Fließband eine Produktionsweise, die vom kapitalistischen Verlangen getrieben wird - es ist repetitiv, beständig, mechanisch, emotionslos. Gleichzeitig ist es hocheffizient und kann das Produktionsvolumen sinnvoll erweitern, um die maximale Wertschöpfung zu erzielen. Seine Beobachtung der eintönig erscheinenden Wiederholung und gleichmäßigen Beständigkeit am „Montageband“ bezieht sich nicht nur auf die Maschinen, sondern auch die Menschen „dazwischen“ und schließlich auf die Produkte selbst.

Seit 2013 erforscht Li Xiaofei in erster Linie das, was außerhalb der Ordnung des Fließbands, der kapitalistischen Fabrik, der Konsumgesellschaft, des sozialen Fortschritts und der sozialen „Vorgaben“ liegt - die Realität der Menschen, die in einem hoch systematischen und institutionalisierten Umfeld leben oder agieren. In den letzten vier Jahren verfolgte er verschiedene künstlerische Ansätze, wobei nun auch „Alltagsmomente“ Eingang fanden und eine nicht narrative Methode verwendet wird; ergänzend zum Arbeitsumfeld werden Landschaften und Gebäude abgebildet, Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln gezeigt, von Detailbeobachtungen hin bis zur Totalen. Nach wie vor scheinen die Aufnahmen unauffällig produziert, die Szenen sehen alltäglich aus, doch durch diese Verschiebung bzw. Erweiterung scheint die Empathie des Künstlers mit den ArbeitnehmerInnen und ProduzentInnen durch, die Frage nach den sozialen Umständen seiner „ProtagonistInnen“ gewinnt an Bedeutung.

Der Kunstraum München freut sich, Li Xiaofeis jüngste Arbeiten seines Assembly Line Projects zeigen zu können. Der Künstler nimmt im März eine Residenz im Ebenböckhaus des Kulturreferates der Landeshauptstadt München wahr.

Kuratiert von Alexander Steig

Es erscheint eine eklusive Edition.